Kurzmitteilung

Das Asylproblem in Deutschland ist ein Problem, das tief mit dem Selbstwertgefühl der Deutschen verstrickt ist.
Aus irgendeinem Grund hält der Deutsche sein Land, seine Kultur für außergewöhnlich. Er besitzt eine gewisse Arroganz den anderen Ländern gegenüber, was sich besonders bei der WM wieder deutlich macht.

So begründet Steffen Simon beim Spiel Iran – Nigeria, dass der iranische Fußballverband so chaotisch sei, da Iraner ja „Südländer“ seien, „bei denen nunmal nicht alles perfekt organisiert.“ ist.
Zur Erinnerung: das Spiel wurde in der ARD übertragen.

Während das frühe Ausscheiden der Spanier bei der diesjährigen Weltmeisterschaft im weltweiten Presseecho als ‚Tragödie‘ (The Sun) bezeichnet wurde, so beschrieb Mathias Opdenhövel die Situation nur trocken mit „Tiki Taka ist jetzt reif für Taka Tuka.“ Das ist nicht nur oberflächlich, sondern schlichtweg ignorant.
Allen Gleichheitsbekundigungen und ‚Die Welt zu Gast bei Freunden‘-Bannern zum trotz: tief in sich drin hält sich der Deutsche dem Rest der Welt gegenüber letztendlich doch für überlegen. Und da liegt das Problem.
Denn solange die Mehrheit der Deutschen nicht einsieht, dass es absolut nichts gibt, dass dieses Land über die restlichen 192 des Planeten stellt, sieht es nicht nur für die 300 Lampedusaflüchtlinge in Hamburg düster aus.
Das soll jetzt kein Deutschland-Bashing werden. Natürlich geht es uns, selbst im europäischen Vergleich, überdurchschnittlich gut. Die Arbeitslosenrate liegt mit 5,2% deutlich unter dem EU-Schnitt (10,4%) und auch das BIP pro Kopf ist mit über 32.000€ noch 7.000€ über dem Durschnitte in den EU-Ländern. Das ist für die deutsche Bevölkerung sicherlich erfreulich, jedoch wird es gefährlich, wenn Rechtspopulisten oder Stammtischrassisten diese Statistiken missbrauchen um auf eine Superiorität der deutschen Kultur hinzuweisen.

„Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“
Emanuel Geibel (17.10.1815 – 06.04.1884)

Am 18. Juli 2010 wurde in Hamburg ein Volksentscheid zum Thema Schulreform durchgeführt. Die Initiative ‚Wir wollen Lernen‘ gewann mit 54,5 % die Wahl und verhinderte hiermit eine Umstrukturierung der Grundschule, in der (grob versimpelt) leistungsstarke Schüler mehr zur Verantwortung in Bezug auf den Lernprozess der leistungsschwächeren Schüler gezogen werden sollten. Selbst der CDU-Bürgermeister Ole von Beust bezeichnete die Initiative als „Elite mit mangelnder Verantwortungsbereitschaft“
Wenn wir uns in einer elitären Position sehen, so scheinen wir Probleme damit zu haben, diese mit anderen zu teilen, eventuell sogar davon abzurücken um anderen zu helfen.
So ist es meiner Meinung nach nötig, dass sich die Deutschen ausreichend oft den schamhaften, den peinlichen Teilen ihrer Kultur bewusst werden. Um sich in Erinnerung zu rufen, dass es da nichts gibt, das uns in irgendeiner Form über die anderen Nationen auf einen Thron stellt.
Diese dankbare Aufgabe übernimmt in Hamburg einmal im Jahr der Schlagermove.

Über den Schlagermove wurde bereits alles gesagt. Für Außenstehende eine Zusammenfassung: einmal im Jahr zieht sich die Generation 40+ in und um Hamburg grellen Farben an und betrinkt sich zu Volksmusik.

„Geh mal Bier holen, du wirst schon wieder hässlich“
– Mickie Krause (21. Juni 1970 – heute)

Und das ist in Ordnung. Jeder Mensch soll sich so daneben benehmen wie er möchte, solange dabei niemand anders zu Schaden kommt. Jedoch passt diese kollektive Gehirnbremse nur begrenzt zum Bild des vorbildlichen Deutschen, der den anderen Nationen durch seinen elitären Fleiß und seine Tugendhaftigkeit derart voraus ist.

Derzeit sind mehr als eine Million Stellen vakant. Nicht zuletzt aufgrund der geringen Geburtenrate sind wir auf Migranten angewiesen. Wir brauchen Fachkräfte aus dem Ausland, um weiterhin wirtschaftliche Erfolge feiern zu können. Besonders angesichts der Tatsache, dass inzwishen jeder vierte deutsche einen Migrationshintergrund vorzuweisen hat, müssen wir uns darüber klar werden, dass die gute wirtschaftliche Situation ein Erfolg des Kollektivs ist. Es gilt also nicht unseren Erfolg vor irgendjemandem zu verteidigen, sondern ihn mithilfe eben jener Personen auszubauen.
Vielleicht sollten wir also anfangen, den „Südländern“, „Molukken“ und „Schwarzköpfen“ auf Augenhöhe zu begegnen. In Neonpink und mit Podolski-Trikot sehen eh alle gleich scheiße aus

 

.Bild

warum ich dir auf die Knie schaue

Ich will in keiner romantisierten Welt leben. Ich will nicht aufwachen, weil mir die Sonne in’s Gesicht scheint. Das ist alles schonmal dagewesen, alles bis zum Teesatz ausgebeutete Momente. Ich möchte ein eigenes Leben. Ein eigenes Leben mit eigenen Bildern. Bilder, die nicht so aussehen, als würden sie Werbung für alkoholfreies Bier machen.
Mir fehlt das echte. Es sind alles nur noch Simulationen. Aromen. Konzipierte Dinge, die uns an ein Gefühl, einen Geschmack, eine Idee erinnern sollen.  
Selbst diese Zeilen hier schreibe ich auf einem Bildschirm, der wie ein Notizbuch aussieht, aber keins ist. Ich brauche persönliche Erfahrungen. Ich will dir nicht tief in die Augen schauen, weil das vor mir schon 500 Autoren, 1000 Sänger und mindestens doppelt soviele Schauspieler getan haben.
Wenn man bloß noch Augenblicke nachspielt, nimmt das den Emotionen ihre Ehrlichkeit, weil sie zu bloßen Kopien werden. Darum möchte ich etwas echtes entstehen lassen. Eine Szene, in der nicht jeden Moment Adam Sandler aus dem Busch hüpfen könnte.
Deshalb schaue ich dir auf die Knie. Auf den lustigen Knubbel, den du auf der Nase hast und auf die kleine Verfärbung deiner Haut auf deinem Rücken. Auf alles, dass dich von den anderen unterscheidet. Danach suchen wir gemeinsam um die Wette nach Sätzen, die noch niemand jemals gesagt hat.

… bevor ich mich verliere

Eines Tages bin ich aufgewacht und habe mich nicht mehr gefunden. Mich selbst.
Ich suchte unter dem Kopfkissen, dem Bett und schüttelte meine Decke aus. Nichts. Auch meine Mitbewohner hatten mich länger nicht gesehen, Till fragte nur altklug, wo ich mich denn das letzte Mal gesehen hätte. Ich dachte kurz nach. „Letzte Woche. Als ich einen Kürbis beim Türken gekauft habe“ erinnerte ich mich. „Dann frag doch mal da nach“ sagte Till. „Vielleicht wurde es ja abgegeben“ Gute Idee. Also zog ich mir meine Schuhe an und nahm die Schlüssel aus der Schale im Flur. „Ich bin kurz draußen“ rief ich, kurz bevor die Tür ins Schloß flog. Ich ging die Treppen herunter und machte mich auf die Suche nach mir selbst.